1972 is one of the most fascinating dark-ambient artists.
Now he produced broken music at it’s darkest - "Death awaits you with
open arms" is brilliant dark ambient by 1972, inspired by Ulver,
Radiohead, Aphex Twin…
News + Story im Sonic Seducer | 09 2005
Seit mehr als zehn Jahren treibt sich Leander Körfer bereits mit seinem
ambitionierten Ein-Mann-Projekt 1972 im Dark Ambient-Underground herum
und schraubt an düsteren, atmosphärischen Klangcollagen, die sich
irgendwo zwischen Bohren & Der Club Of Gore, Sigur Rós und Ulver
ansiedeln. Nach zwei Veröffentlichungen im Eigenvertrieb
(„Keinanschlussudn“, 2002 und „Coma“, 2003) steht nun mit „Death Awaits
You With Open Arms“ der erste offizielle Release an.
Nachdem der gelernte Grafik-Designer 1994 mit einem Atari ST1040 und
einem Yamaha Workstation Keyboard die ersten musikalischen Schritte
unternommen hatte, wurde es jedoch erst mal wieder ruhig um 1972. „Ich
habe zwar damals ein Tape zusammengestellt, das dann einige Leute
erhalten haben und zu dem ich auch ein paar Interviews gegeben habe,
aber dann hab’ ich mich erst mal um meine berufliche Karriere
gekümmert“, blickt er zurück.
Den Stein des Anstoßes lieferte dann schließlich das Ulver-Album
„Perdition City“ aus dem Jahr 2000. „Als ich das gehört habe, hab’ ich
gedacht, dass ich auch mehr mit coolen Samples arbeiten will. Ich fing
an, so ziemlich alles zu samplen: Das Startgeräusch von meinem Mac,
Rasierapparate, Scanner, einen Fön… Anfangs hab ich auch ziemlich viel
von CDs gesamplet, aber davon bin ich heute völlig weg. Dafür benutze
ich heute viele freie Sounds aus dem Internet, die ich jedoch vor dem
Einsatz völlig verfremde.“
Im Laufe der Jahre sind die eigenen Ansprüche dann soweit gestiegen,
dass aus den Klangcollagen der Anfangszeit nach und nach immer
komplexere Arrangements wurden, in denen die Sounds auf teilweise über
70 Spuren übereinandergeschichtet sind. Trotz des steigenden
musikalischen Anspruches hat der überzeugte Vegetarier jedoch in der
ganzen Zeit nie seine Botschaft aus den Augen verloren, auch wenn er
diese niemandem aufdrängen will, sondern sie eher subtil verbreitet.
So wird in den teilweise ohne oder mit sehr minimalen Beats
auskommenden Stücken immer wieder das Elend thematisiert, das der
Mensch sich selbst und vor allem seiner Umwelt zufügt: „In einem Satz:
Die Welt ist schlecht. Früher war mir die Message sehr wichtig,
mittlerweile habe ich jedoch festgestellt, dass die Musik zu schwierig
ist, um damit konkrete Botschaften zu vermitteln. Heute reicht es mir,
wenn die Leute sich mit der Musik auseinandersetzen und versuchen,
diese zu verstehen, und dann vielleicht von da aus dazu kommen, einmal
darüber nachzudenken, warum ich das Ganze mache, und warum ich immer
wieder auf bestimmte Themen komme.“
So bleibt unterm Strich immer noch ein anspruchsvolles Elektronikalbum
zurück, das nicht nur Fans von experimenteller Musik ansprechen dürfte
und trotz seiner durchweg ernsthaften Inhalte nicht zu kopflastig
geraten ist.
Pee Wee Vignold, Sonic Seducer
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